Warum synthetische Glätte Vertrauen kostet, gerade dort, wo Kommunikation persönlich wirken soll.
Dass in sozialen Medien viele Inhalte mit Unterstützung von AI erstellt werden, dürfte inzwischen niemanden mehr überraschen. Texte entstehen mit ChatGPT, Claude, Copilot, Mistral oder anderen Werkzeugen. Ideen werden sortiert, Formulierungen geglättet, Argumente geschärft, Beiträge vorbereitet.
Immer öfter begegnen mir Posts und Kommentare, die diese typische GenAI-Textur haben: glatt, korrekt, generisch. Gut strukturiert, sauber formuliert, angenehm lesbar und trotzdem irgendwie leer. Sobald ich so einen Text erkenne, verliere ich oft die Lust weiterzulesen.
Nicht, weil der Inhalt zwingend falsch wäre. Oft sind die Aussagen sogar plausibel oder wichtig. Aber sie fühlen sich unecht an.
Kommunikation wirkt nicht nur über Information. Sie wirkt über Ton, Reibung, Haltung, Eigenheiten, kleine Unschärfen und erkennbare Urheberschaft. Wenn all das herauspoliert wird, bleibt häufig ein Text übrig, der professionell aussieht, aber kein Vertrauen schafft.
Das sage ich durchaus mit einer gewissen Selbstironie. Ich nutze AI selbst intensiv beim Schreiben: als Ideengeber, Sparringspartner, Strukturhilfe, Perspektivenwechsel und manchmal auch als sprachliche Starthilfe. Aber der entscheidende Schritt ist für mich nicht die Generierung des Textes, sondern seine Aneignung.
Ein AI-Entwurf ist noch nicht mein eigener Text.
Er wird es erst, wenn ich ihn prüfe, verwerfe, erweitere, zuspitze, umformuliere, kürze, störe und mit meiner eigenen Sicht verbinde. Wenn er nicht mehr nach beliebiger Textmaschine klingt, sondern nach einem Menschen, der etwas sagen wollte und AI als Werkzeug genutzt hat.
AI kann helfen, Gedanken sichtbar zu machen. Sie kann blinde Flecken zeigen, Alternativen anbieten, Sprache glätten und Struktur schaffen. Aber sie darf nicht die Verantwortung für die Aussage übernehmen. Wer einen Text veröffentlicht, veröffentlicht nicht nur Information, sondern auch Haltung.
Und Haltung lässt sich nicht per Copy & Paste delegieren.
Was bleibt
AI-Texte werden nicht dadurch problematisch, dass sie mit Unterstützung von AI entstanden sind. Problematisch werden sie, wenn sie keine erkennbare menschliche Entscheidung mehr enthalten.
Gute Kommunikation darf unterstützt sein. Aber sie sollte angeeignet, geprüft und verantwortet sein.
Sonst bleibt am Ende nur glattes Rauschen.